Aktuelles aus der Praxis

Wissensweitergabe | Praxis

Dr. Andreas Schlüsche, Allgemeinmediziner im Rehdener Ärztehaus, wird Lehrarzt für Human- und Allgemeinmedizin.

Dr. Andreas Schlüsche, Allgemeinmediziner im Rehdener Ärztehaus und seit der Fertigstellung im vergangenen Jahr auch im nebenstehenden Gelenk- und Wirbelsäulenzentrum an der Nienburger Straße, wird Lehrarzt für Human- und Allgemeinmedizin. In enger Kooperation mit der Carl von Ossietzky-Universität in Oldenburg und der Universität Groningen. Noch in diesem Jahr  erwartet Dr. Schlüsche den ersten angehenden Arzt zur praktischen Weiterbildung in seinen  Hospitationsräumen. Für den gebürtigen Oldenburger kam die Zusammenarbeit mit einer anderen Hochschule nie in Frage.

Im Rahmen von vier Hospitationen erwartet die Studenten in Rehden zunächst ein Einstieg in die Praxis – mit ersten Erläuterungen zu den Aufgaben des Allgemeinmediziners. Dann folgen Untersuchungen vom Bewegungsapparat, der innere Organe, das Erlernen von eigenen Untersuchungstechniken und die Anwendung von Gerätemedizin. Auch die Betreuung chronisch kranker Patienten, Gesundheitsvorsorge und die Besuche von Patienten zuhause oder im Pflegeheim werden die Hospitanten in Rehden praktisch erfahren.

Dr. Andreas Schlüsche hat sich aus aktuellem Anlass dazu entschlossen, sein Wissen an junge Studenten weiterzugeben. Ausschlaggebend war und ist für den Allgemeinmediziner die schon länger andauernde Problematik des Ärzteschwundes auf dem Lande. Schon während seiner Bundeswehrzeit in Hannover habe er junge Studenten betreut und zu Fachärzten weitergebildet, betont Dr. Schlüsche. „Um ärztlichen Nachwuchs auf das Land zu bekommen, muss man den Kontakt bereits während der Ausbildung knüpfen. Die Universität Oldenburg ist hierbei nicht nur räumlich in der Nähe, sondern bildet ihre Studenten besonders praxisnah aus“, stellte der Mediziner weiter heraus.

Schon in den ersten Monaten ihres Studiums würden angehende Ärzte nach einem festen Lehrplan die Praxisarbeit der Allgemeinmedizin und in insgesamt drei Studienjahren viel über die Arbeit als Allgemeinmediziner kennen lernen und im vierten und letzten Abschnitt auch ganz speziell die Arbeit mit älteren Patienten erfahren – in der von Dr. Schlüsche betreuten Rehdener Senioreneinrichtung Anna-Margaretha. Im Übrigen umfasse das Arbeitsspektrum von Allgemein- und Humanmedizinern Patienten aller Altersgruppen, von der Pädiatrie (Kinder) bis zur Geriatrie (alte Menschen), von akuten Beschwerden bis hin zu chronischen Krankheiten, beschreibt Dr. Schlüsche die praxisnahe Arbeit der Studenten.

Bei der praktischen Weiterbildung haben Schlüsches Ehefrau Christine sowie die beiden Ärzte Bruno Kunstmann und Andreas Kalkowski ihre Unterstützung zugesagt. „Bei uns ist die praktische Medizin von Beginn an groß geschrieben worden“, betont Andreas Schlüsche, „weil wir wissen, dass hinter jedem Gebrechen ein Mensch steht.“ Diese Erkenntnis werde an die Studenten während ihrer Zeit in Rehden weitergegeben. Nicht zuletzt deswegen ist Schlüsche optimistisch, durch sein Engagement als Lehrarzt junge Allgemeinmediziner für die ländliche Region gewinnen zu können, „denn wo man einmal war, da geht man schneller wieder hin.“

Im Übrigen stellt sich Schlüsche nicht ganz uneigennützig in den Dienst der ärztlichen Nachwuchsförderung: „Vielleicht interessiert sich ja sogar ein junger Arzt zur Mitarbeit in unserer Rehdener Praxis oder er bewirbt sich auf eine Stelle im Kreiskrankenhaus in Diepholz“, wünscht sich der Allgemeinarzt. Zudem gewinne er durch regelmäßige Schulungen in Oldenburg selbst an Erfahrung als Ausbilder, macht er weiter deutlich.

Um den gewünschten Erfolg zu haben, hofft Schlüsche, dass die Politik die Arbeit von Hausärzten attraktiver macht, Regresse abschafft, die ärztliche Arbeit auf dem Lande entbürokratisiert und ein gesichertes Einkommen mit einer angemessenen Bezahlung  festschreibt. „Die Medizin ist eine Branche, die Top-Kräfte benötigt“, betont Dr. Schlüsche, „doch die besten Abgänger werden nach dem Studium keinen Beruf wählen, der immer schlechter gewürdigt wird. Die kommen nicht zu uns aufs Land, die gehen in die Industrie oder in die Stadt.“